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«Ich habe zwei Euro Schulden bei Papa»


Wie wichtig ist Kindern Geld? Wofür sparen sie? Wofür geben sie am meisten aus? Drei Kinder aus drei Ländern sprechen über Taschengeld, Spenden und grosse Wünsche.S


Salim, 8, Heidelberg, Deutschland
«Papa vergisst das Taschengeld oft, ich nie»

Salim, wie viel Taschengeld bekommst du?
Jeden Sonntag drei Euro – einen für jedes Sparschwein.

Du hast drei Sparschweine?
Ja. Eines ist für «Spend», dieses Geld gebe ich laufend aus, eines ist für «Save», da wird gespart, und das letzte heisst «Give», das spende ich.

Wie viel ist im «Save» drin?
21 Euro – leider noch nicht so viel, ich habe vor nicht allzu langer Zeit angefangen. Ich spare auf den Death Star von Lego, der kostet aber 500 Euro.

Wie viel hast du in den anderen zwei?
Bei «Spend» sind es zurzeit leider nur neun Euro, und bei «Give» sind es 25 Euro.

Für was brauchst du das «Spend»?
Ich warte immer, bis es wieder einigermassen voll ist, und dann gehe ich in den Spielzeugladen und schaue, was es da gibt. Meistens kaufe ich was von Lego, das letzte war ein teures Ninjago, darum ist die Kasse jetzt ziemlich leer. Und im Frühling gab ich sehr viel aus für Panini-Bildchen.

Süssigkeiten?
Nein, mag ich nicht.

Findest du drei Euro genug?
Ich bekomme jedes Jahr 50 Cent mehr, das passt schon.

Kriegen bei dir in der Schule alle Taschengeld?
Nein, die meisten bekommen noch keines. Auch bei mir ist es relativ neu, etwa seit einem Jahr – am Anfang war es auch noch weniger. Meine Schwester ist fünf und hat sich kürzlich gewünscht, dass sie ab dem sechsten Geburtstag pro Woche 50 Cent bekommt.

Findest du das okay?
Ich kann schon verstehen, dass sie ein bisschen eifersüchtig ist auf meine drei Sparschweine. Aber ich finde es etwas unfair, dass sie schon ab sechs Taschengeld bekommt. Ich war schliesslich erst sieben.

Wer gibt dir das Geld?
Meistens der Papa, aber er vergisst es oft. Ich natürlich nie. Wir haben sogar auf dem Kalender ein Zeichen dafür.

Wie wichtig ist dir das Geld?
Ich denke selten daran, aber wenn jemand das Wort Spielzeugladen sagt, macht es klick bei mir und es ist wieder superwichtig.


Anuk Steffen, 13, Chur, Schweiz
«Ich bin nicht die grosse Sparerin»

Anuk, wie viel Taschengeld bekommst du?
55 Franken pro Monat (48 Euro, Anm. d. Red.). Neuerdings überweisen meine Eltern das Geld auf mein Schülerkonto, für das ich eine eigene Bankkarte habe. Elektronisches Geld ist schon ein bisschen weniger übersichtlich als Münzen und Noten. Du hast es nicht in der Hand und darum auch etwas weniger unter Kontrolle.

Wirst du für Haushaltsarbeiten wie Rasenmähen oder Schneeschaufeln bezahlt?
Nein. Es ist doch normal, dass man daheim mithilft. Das gilt auch für gute Schulnoten. Ich fände es komisch, wenn ich dafür Geld erhalten würde.

Verdienst du sonst noch Geld?
Ab und zu arbeite ich als Babysitterin. Und kürzlich habe ich mich für die Mitarbeit beim Kerzenziehen im Jugendzentrum beworben. Hoffentlich kriege ich den Job.

Wofür gibst du am meisten Geld aus?
Für Deko-Material. Ich stelle mein Zimmer alle paar Wochen um und dekoriere es neu. Und manchmal kaufe ich mir spezielle Klamotten. 

Darfst du dir eigentlich kaufen, was du magst? 
Im Prinzip schon. Nur bei technischen Geräten wie einem Handy würden meine Eltern wohl ein Wörtchen mitreden. 

Wofür sparst du?
Ich bin nicht die grosse Sparerin. Grössere Dinge wünsche ich mir jeweils zum Geburtstag oder zu Weihnachten. 

Schon mal gespendet?
Ich nicht, aber meine Eltern. Im Briefkasten liegen ja sehr häufig Spendenbriefe, und manchmal besprechen wir gemeinsam, wem wir etwas geben. 

Mit neun Jahren hast die Hauptrolle im Kinohit «Heidi» gespielt. Hast du da viel verdient? 
So genau weiss ich das gar nicht. Das Geld liegt auf einem Sparkonto, auf das ich erst mit 18 Jahren Zugriff habe.

Bist du noch im Filmgeschäft?
Im Frühling habe ich in München «Pig Heart» gedreht. Ich spiele ein herzkrankes Mädchen, das gegen den Tod kämpft. Es ist ein Abschlussfilm der Filmschule und darum ist alles viel kleiner als bei «Heidi».

Fühlt sich selbstverdientes Geld anders an?
Ja, besser. Weil man es nicht einfach so bekommen hat.

Wie wichtig ist dir Geld?
Nicht besonders. Ich mache andere Sachen viel lieber als Shopping. Aber es ist schon praktisch, wenn man genug davon hat. Geld regiert halt die Welt.

Hättest du gern mehr Taschengeld?
Nein. Ich habe alles, was ich brauche.


Alicia, 11, Nantes, Frankreich
«Viele meiner Freundinnen haben gar kein Taschengeld»

Alicia, wie viel Taschengeld bekommst du?
Jedes zweite Wochenende, wenn ich bei Papa bin, bekomme ich zwei Euro. Meistens gibt er mir das Geld am Samstag, manchmal vergessen wir es, dann holen wir’s am Sonntag nach. Das Geld spare ich in einem englischen Bus, der dient als Sparschwein.

Wie viel ist drin?
Leider gar nichts. Ehrlich gesagt habe ich zwei Euro Schulden bei Papa, weil ich gestern ein Spielbuch gekauft habe. Ich zahle es ihm in zwei Wochen zurück. Bei meiner Mutter habe ich eine zweite Sparbüchse, dort hat es mehr drin, etwa 150 Euro. Das Geld habe ich zu Weihnachten und zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Hast du Pläne, was du damit machen möchtest?
Mein Fernziel ist eine Nintendo Switch, eine Spielkonsole – aber die kostet 300 Euro, das dauert noch.

Was ist das Teuerste, was du je gekauft hast?
Ich glaube, das war ein Body-Surfboard für 20 Euro. Wir leben an der Atlantik-Küste, ich liebe es, im Meer zu spielen, auch wenn es relativ kalt ist hier und ich meistens einen Neoprenanzug tragen muss.

Kriegst du jedes Jahr mehr Taschengeld?
Letztes Jahr bekam ich einen Euro, jetzt, wo ich in der Mittelschule bin, bekomme ich zwei Euro. Ich glaube, nächstes Jahr bleibt es gleich.

Bist du damit zufrieden?
Sehr. Viele meiner Freundinnen und Freunde haben gar kein Taschengeld – sie wissen auch nicht, dass ich schon etwas bekomme.

Kaufst du manchmal Süssigkeiten?
Ja, mein Lieblingsbonbon ist ein Krokodil, das kostet 50 Cent. 

Wie wichtig ist dir das Geld?
Schon wichtig. Das wurde mir kürzlich bewusst, als ich eine Fünf-Euro-Note verlor und danach sehr traurig war.

Wenn du ganz viel Geld hättest, was würdest du tun?
Eine Weltreise! Das ist mein grosser Traum. Ich habe schon ein paar Reisen gemacht und möchte mehr sehen.

«Kollegen dachten, ich sei verrückt geworden»

Lucy Kellaway war eine der bekanntesten Wirtschaftsjournalistinnen der englischsprachigen Welt. Mit 57 Jahren entschied sie sich zu einem radikalen Neuanfang, gründete eine wohltätige Organisation und wurde Lehrerin. «Ich habe mich noch keine Sekunde gelangweilt» sagt sie.

Sie waren eine weltweit bekannte, gut bezahlte Wirtschaftsjournalistin und gaben vor zwei Jahren ihren Job auf, um Lehrerin zu werden. Warum?

Ich war schlicht zu lange Journalistin. Ich liebte diesen Beruf immer noch, wollte aber nicht mein ganzes Arbeitsleben lang das Gleiche tun. Ich hatte es auch satt, dauernd zynisch zu sein, und wollte lieber etwas Nützliches tun.



Wie hat Ihre Umgebung auf Ihren Berufswechsel reagiert?
Meine vier Kinder hielten es alle für eine tolle Idee, besonders meine älteste Tochter, die selbst Lehrerin ist. Meine Freunde und Bekannten reagierten dagegen sehr unterschiedlich auf meinen Karrierewechsel. Die eine Hälfte bewunderte meinen Entscheid und war vielleicht sogar versucht, das Gleiche zu tun. Die andere Hälfte dachte, ich sei verrückt geworden. Vor allem einige meiner Kollegen bei der Financial Times zeigten sich sehr skeptisch. Ich glaube aber, dass diese Reaktion hauptsächlich ihre eigenen Gefühle über Status und Geld widerspiegelte.

Vielen Menschen träumen davon, ganz neu anzufangen und ihrem Leben mehr Sinn zu geben. Aber nur wenige realisieren diesen Traum. Warum ist Selbstbestimmung für uns so schwierig?
Vielleicht weil unserer Selbstbestimmung einiges im Weg steht, gerade in jüngeren Jahren. Wir müssen Geld verdienen. Unser Umfeld ist sehr kompetitiv. Der Status spielt eine wichtige Rolle. Es ist schwierig, sich nicht darum zu scheren. Ich war schon in meinen 50ern, als ich das Prestige, das mit der Financial Times verbunden war, nicht mehr brauchte.

Mit Ihrer wohltätigen Organisation «Now Teach» wollen Sie erfolgreiche Manager über 50 dazu bewegen, Lehrer zu werden. Finden Sie genügend Leute, die bereit sind, ihre gut bezahlte Karriere aufzugeben?
Jedes Mal, wenn ich etwas über «Now Teach» schreibe oder dazu interviewt werde, melden sich Leute bei mir. Ich glaube, dass es die meisten Menschen, wenn sie um die 50 sind, satt haben, immer das Gleiche zu tun. Einige wollen zeitlich zurückstecken, aber viele haben auch Lust, etwas zu tun, das schwieriger ist, als alles, was sie je zuvor getan haben.

Wie reagieren zum Beispiel ehemalige Banker, wenn sie erfahren, wie wenig sie als Lehrer verdienen werden?
Sie wissen natürlich, dass die Bezahlung schlecht ist, für Auszubildende meist unter 25’000 Pfund pro Jahr [rund 32’500 Schweizer Franken oder 28’500 Euro]. Was lustig ist und mich überrascht hat: Die Ex-Banker verlieren kein Wort über den schlechten Lohn, aber sie sorgen dafür, dass sie jeden letzten Penny bekommen, der ihnen zusteht.

Sind diese Leute in ihrer neuen Beschäftigung glücklicher – oder nur müder?
Am Anfang sicherlich letzteres (lacht). Die meisten denken im ersten Jahr immer wieder mal, dass sie einen schrecklichen Fehler gemacht hätten. Im zweiten Jahr dann fangen sie an, ihre neue Tätigkeit zu lieben. So ging es auch mir.

Ist ein solcher Karrierewechsel ein Privileg für Gutverdienende?
Nicht alle, die bei unserem Now Teach-Programm mitmachen, sind reich. Aber es stimmt schon: Die meisten haben Geld auf die Seite legen können.

Was gefällt Ihnen an Ihrem neuen Berufsleben am besten?
Heute Morgen habe ich ein paar Hausarbeiten gelesen, in denen meine 14-jährigen Schüler Unternehmen beschrieben haben, die sie gründen möchten. Darunter hatte es brillante Ideen, die erbaulicher waren als drei unterhaltsame Jahrzehnte bei der Financial Times. Generell: Ich habe mich als Lehrerin noch keine Sekunde gelangweilt.

Sie vermitteln Kindern auch Wirtschaftsthemen. Warum ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler Finanzkompetenz erlernen?
Weil die meisten Erwachsenen keine Ahnung davon haben. Je weniger Geld man hat, desto wichtiger ist es zu wissen, wie man damit umgeht.

Drei Viertel der Befragten sehen sich selbst verantwortlich für die Altersvorsorge, wobei der Anteil in der Schweiz mit 86% am höchsten ist (Grossbritannien: 78%; Frankreich: 71%; Deutschland: 70%; Österreich: 69%). 44% machen den Staat für die Altersvorsorge verantwortlich. Auf die eigene Vorsorgeplanung angesprochen sind jedoch nur 48% der Meinung, dass sie dank der bisher getätigten Vorsorge im Alter genügend finanzielle Ressourcen haben werden. Für die Sicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter sind alle Generationen bereit, den gegenwärtigen Lebensstil anzupassen und mehr vorzusorgen. Die populärsten Massnahmen sind mehr sparen (52%), später in Rente gehen (40%) und Ersparnisse anlegen (36%).

Videoportrait: Kira Grünberg