Ein Blick in die Köpfe und Herzen der Millennials

Was sind für die Millennials die größten Probleme der Welt? Was ist ihnen im Beruf wichtig? Würden sie sich einen Chip einpflanzen lassen, um leistungsfähiger zu werden? Der Global Shapers Survey des Weltwirtschaftsforums, das vom 23. bis 26. Januar in Davos stattfindet, gibt Antworten.

Die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 35 Jahre alt. Ihre Wertvorstellungen werden unsere Zukunft nachhaltig prägen. Der Global Shapers Survey des Weltwirtschaftsforums, die weltweit größte Umfrage unter Millennials, erlaubt einen einzigartigen Einblick in die Köpfe und Herzen der Generation der 18- bis 35-Jährigen. Mehr als 31 000 junge Menschen aus 186 Ländern haben sich daran beteiligt. Sie beantworteten Fragen zu ihren Wertvorstellungen sowie den Themengebieten Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Arbeit und Technologie.

Nach dem größten globalen Problem gefragt, ist ihre Antwort eindeutig: Es ist der Klimawandel. Für sieben von zehn Befragten ist eindeutig bewiesen, dass dieser menschliche Ursachen hat. Nur gerade 2,6% zweifeln daran. Weiter machen den Millennials mögliche Großkonflikte und die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit Sorgen.

Eine optimistische Generation, die sich ungehört fühlt

Generell sehen die Millennials – über alle Kontinente und Kulturen hinweg – ihre Zukunft positiv. Zwei Drittel finden, die Welt sei voll von Möglichkeiten. Nur ein Drittel sieht sie als Ort der Schwierigkeiten und Anstrengungen. Am zukunftsfreudigsten äußern sich, was man angesichts der Probleme des Kontinents nicht unbedingt erwarten würde, mit 71,5% die Afrikaner (Amerika: 68,4%, Europa: 67%, Asien: 61,6%).

Für Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, ist es wichtig, dass die Entscheidungsträger besser auf die Jungen hören, denn: «Um Lösungen für unsere globalen Probleme zu finden, müssen wir gezielt die Jugend einbeziehen. Diese Generation hat die Leidenschaft, die Dynamik und den Unternehmergeist, um die Zukunft zu gestalten.»

«Die jungen Leute haben die Leidenschaft, die Dynamik und den Unternehmergeist, um die Zukunft zu gestalten.» Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums.

Neues Verständnis von Arbeit

Der Global Shapers Survey zeigt auch, dass die Millennials in Europa grossen Wert auf die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit legen. Sie möchten mit ihrem Beruf die Gesellschaft verändern können. Für gut die Hälfte ist dies das wichtigste Kriterium bei der Wahl einer Stelle – und nicht etwa der Lohn oder die Karrieremöglichkeiten. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit liegt auf sämtlichen Kontinenten in den Top-3-Kriterien bei der Jobsuche.

Als CEO der Adecco Group kennt Alain Dehaze die Wünsche und Bedürfnisse der Millennials bestens. Der global führende Arbeitsvermittler bringt jeden Tag 700 000 Arbeitskräfte mit 100 000 Unternehmen zusammen. «Ich bin begeistert von der Zielstrebigkeit und den ethischen Grundsätzen der Millennials», sagt er. «Sie streben nach Sinn und lassen sich von Pflichtbewusstsein antreiben. Schon dadurch leisten sie einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft. Für Millennials ist es entscheidend, dass sie einen Arbeitsplatz bei Organisationen finden, die diese Werte auch widerspiegeln.»

«Die Millennials streben nach Sinn und lassen sich von Pflichtbewusstsein antreiben. Schon dadurch leisten sie einen Beitrag zu einer besseren Welt.» Alain Dehaze, CEO Adecco Group

Neue Technologien? Ja klar.

Zu neuen Technologien haben die Millennials weltweit ein unbefangenes, ja optimistisches Verhältnis. Über drei Viertel (78,6%) glauben, dass sie eher Arbeitsplätze schaffen als zerstören werden. Künstliche Intelligenz werde unsere Gesellschaft am stärksten verändern, glauben die meisten, vor Biotechnologie und Robotik.

Die Technikeuphorie hat aber auch bei den jungen Menschen Grenzen. So würde sich nur eine Minderheit ein Implantat ins Gehirn oder unter die Haut einpflanzen lassen, um leistungsfähiger zu werden.

Und auch die Automatisierung und Roboterisierung sehen die jungen Menschen nicht einfach nur positiv. So würden nur 3% der Befragten Maschinen die Aufgabe anvertrauen, in ihrem Namen Entscheidungen zu fällen. Die Selbstbestimmung hat für die Millennials also auch in diesem Bereich einen sehr hohen Stellenwert.