Superstar, Sündenbock, Steuerzahler?

Wenn sie uns schon die Jobs wegnehmen, dann sollen sie wenigstens Steuern und Rentenbeiträge zahlen: Das fordern nicht nur linke Politiker, sondern auch der reichste Mann der Welt, Bill Gates. Aber die Roboter-Steuer bleibt eine kontroverse Idee.

„Roboter kann bis zu 360 Hamburger in der Stunde servieren.“

Die Schlagzeilen über die dramatischen Ausmasse der digitalen Revolution reissen nicht ab. Eine Studie der Universität Oxford1 schlug besonders hohe mediale Wellen: Gemäss den Autoren werden in den USA in den nächsten 20 Jahren rund die Hälfte aller existierenden Arbeitsstellen von Robotern oder von Software übernommen. Brisant ist auch, dass diese Automatisierungswelle sämtliche Gesellschaftsschichten zu treffen droht, also auch hochqualifizierte Berufsgruppen wie Anwälte, Finanzspezialisten und Ärzte.

Braucht es eine Roboter-Steuer?

Noch sind wir nicht so weit; noch mutet die konsequente Roboterisierung unseres Alltags utopisch an. Trotzdem warnt Jürgen Schmidhuber, Professor für künstliche Intelligenz an der Universität Lugano: «Roboter können alles lernen, was Menschen können – und noch mehr.» Schmidhuber meint deshalb: «Roboter und ihre Besitzer müssen hinreichend Steuern zahlen, sonst gibt es eine Revolution.»

Ähnlich beurteilt der Genfer Rechtsprofessor Xavier Oberson die Lage: «Die zunehmende Tendenz, menschliche Arbeitskräfte durch Roboter zu ersetzen, wird nicht nur zu einem Defizit im Bereich der Steuereinnahmen, sondern auch bei den Sozialversicherungen führen.» Gleichzeitig müsse mit einem Anstieg der Ausgaben für Arbeitslose gerechnet werden. Deshalb ist für Oberson klar: «Die Frage der Roboter-Steuer muss dringend thematisiert werden.»

Produktiver dank Automation

Ist die Roboter-Steuer inklusive Sozialabgaben und Rentenbeiträgen eine Idee mit Zukunft oder eher ein Schnellsch(l)uss, geboren aus der Angst vor dem digitalen Wandel, der unsere Arbeitswelt fundamental zu verändern droht?

Zwar dürften, das geben auch die Optimisten zu, kurzfristig zahlreiche Stellen wegfallen, aber langfristig ist die Digitalisierung eine Chance, sofern wir uns politisch intelligent darauf einstellen: Mit einem exzellentem Bildungssystem, einem Arbeitsmarkt, der gezielte Anreize setzt und nicht zuletzt mit einem sozialen Auffangnetz für jene, die im schnellen Wandel nicht mithalten können. Zudem, darauf weist der deutsche Ökonom Stefan Homburg hin, sinken die Preise, wenn die Unternehmen ihre Produkte mittels Roboterisierung kostengünstiger herstellen: «In den vergangenen 100 Jahren», bilanziert Homburg, «haben sich die Reallöhne versechsfacht».

Die idealen Sündenböcke

Eine Robotersteuer, so ist die erdrückende Mehrheit der Ökonomen überzeugt, würde die Innovationkraft unserer Wirtschaft bremsen und uns so letztlich allen schaden. Auch das Leitblatt der Ökonomenzunft, der britische «Economist», ortet das Problem nicht in der Roboterisierung, sondern in der monopolartigen Macht globaler Tech-Firmen: «Roboter sind einfach ideale Sündenböcke.»

Das Angst vor dem Ende der menschlichen Arbeit geht um seit der Erfindung der Dampfmaschine. Innovationsschübe waren immer von gesellschaftlichen Verwerfungen begleitet. Noch in den 1980er Jahren habe es in der Schweiz ernstgemeinte politische Vorstösse gegeben, um die Einführung des PC bei den kaufmännischen Berufen zu verhindern, erinnert Marc Brütsch. «Aber die Erfahrung lehrt uns, dass wir den Fortschritt besser umarmen, als sich ihm in den Weg zu stellen», so der Chefökonom von Swiss Life, «sonst wird er anderswo stattfinden».

Den Arbeitsbegriff neu definieren

Mensch gegen Maschine. Bis heute gleicht die Situation einem Wettrennen gegen die Zeit; und bislang haben die Menschen dieses Rennen stets gewonnen. In einem Punkt sind sich Befürworter und Kritiker allerdings einig: Wichtig ist, dass die ungeheuren Produktivitätsgewinne nicht nur den Eigentümern der Roboter zugutekommen – sondern, dass die ganze Gesellschaft davon profitiert. Ob die Roboterisierung eine gute oder schlechte Entwicklung ist, hängt also von uns selber ab.

Es lohnt sich, den Appell des amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt zu beherzigen. Als man 1940 befürchtete, der technische Fortschritt verursache Arbeitslosigkeit, rief dieser dazu auf: «schneller Jobs zu finden, als der technische Fortschritt sie wegnimmt».

1 „The Future of Employment: How susceptible are jobs to computerisation?“
C.B. Frey, M. Osborne (2013).
www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/future-of-employment.pdf

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