Sterbende wissen, welche fünf Sachen im Leben wirklich wichtig sind

Am Ende des Lebens stellen sich die grossen Fragen: Was zählt wirklich? Was hätte ich besser machen sollen? Wer Menschen auf dem Sterbebett fragt, erhält immer wieder die gleichen fünf Antworten. Manchmal lohnt es sich für Junge, auf die Alten zu hören.

„Regrets, I’ve had a few. But then again, too few to mention.“

Frank Sinatra

Die australische Krankenschwester Bronnie Ware kennt die Gedanken, Ängste und Zweifel von Sterbenden wie kaum jemand sonst.

Sie arbeitete lange Zeit in der Palliativpflege und begleitete Menschen in den letzten drei bis zwölf Wochen ihres Lebens. Sie weiss, was Sterbende beschäftigt: «Jeder und jede erlebte eine Vielzahl an Emotionen», schreibt sie auf ihrem Blog (http://www.bronnieware.com/blog/regrets-of-the-dying), «wie erwartet gehörten dazu Ablehnung, Angst, Wut, Reue, noch mehr Ablehnung und schliesslich Akzeptanz.» Und was tröstlich wirkt: «Jeder einzelne Patient fand seinen Frieden, bevor sein Leben zu Ende ging, jeder einzelne.»

Bronnie Ware fragte ihre sterbenden Patientinnen und Patienten auch regelmässig nach Dingen, die sie bereuten oder die sie im Leben lieber besser gemacht hätten. Interessant dabei: Regelmässig wurden die gleichen Themen genannt. Darüber hat Ware das Buch «5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen» geschrieben. Es wurde zu einem Bestseller und ist in 29 Sprachen übersetzt worden.

Die fünf wichtigsten unerfüllten Wünsche

  • Den Mut haben, das eigene Leben zu leben
    Das war die häufigste Ursache für Reue von allen: Dass man den Erwartungen anderer entsprechen wollte und nicht das Leben führte, das man eigentlich hätte führen wollen. Wenn das Leben fast vorbei ist, realisieren die Menschen, welche Träume unerfüllt geblieben sind. Ein Grund dafür: Wenn die Gesundheit nachlässt, ist es für vieles zu spät.
  • Nicht so viel arbeiten
    Jeder einzelne männliche Patient von Ware bedauerte, zu viel gearbeitet zu haben. Sie verpassten darum die Jugend ihrer Kinder oder die Gemeinschaft mit ihren Frauen. Auch Frauen erwähnten diesen Punkt, doch weil sie zu einer älteren Generation gehörten, waren viele der weiblichen Patienten nicht die Hauptverdienerinnen in ihren Familien.
  • Mehr Gefühle zeigen
    Viele Menschen stören sich im Rückblick daran, dass sie Gefühle zurückhielten; aus Angst zum Beispiel, um die scheinbare Harmonie nicht zu stören, weil sie sich nicht exponieren wollten oder um in Frieden mit anderen zu leben. Bronnie Ware beobachtete, dass viele dieser Leute aufgrund ihrer Verbitterung Krankheiten entwickelten.
  • Mit Freundinnen und Freunden in Kontakt bleiben
    Viele bereuten am Lebensende zutiefst, dass sie für Freundschaften zu wenig Zeit und Mühe aufgewendet haben. Sie verloren den Kontakt: Weil sie beruflich ausgelastet waren, weil sie an einen anderen Ort zogen, weil sie eine Familie gründeten. In den letzten Lebenswochen aber, schreibt Ware, ist alles, was bleibt: Liebe und Beziehungen.
  • Glücklich sein
    Wir leben in «ergebnisorientierten» Zeiten, im Beruf wie in der Freizeit. Viele von Wares Patientinnen und Patienten fanden, sie hätten ihr Glück zu stark von einem Ergebnis abhängig gemacht, statt einfach einmal den Moment zu geniessen. Oder sie waren in alten Verhaltensweisen und Gewohnheiten gefangen und hatten Angst, vor Veränderung. «Glücklich zu sein», schreibt Bronnie Ware, «ist eine bewusste Entscheidung.»

Und auch wenn die Wünsche auf den ersten Blick fast als Binsenwahrheit erscheinen mögen: In der Hektik des (Berufs)Lebens werden sie, so legt Wares Buch nahe, oft zu lange aufgeschoben.

Manchmal lohnt es sich, früh genug auf die Ratschläge der Älteren zu hören.