3 Millennials reden über ihre Generation

Ihre Generation hat den Ruf, unpolitisch zu sein und materialistisch zu denken. Völlig zu Unrecht, sagen diese drei Millennials aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, die wir diese Woche befragen. Sie engagieren sich politisch und gesellschaftlich stark, sei es im Beruf oder in der Freizeit. Warum engagieren sie sich für die Gesellschaft? Was wollen sie erreichen? Wie mobilisieren sie ihre Generation?

«Wir werden so lange leben wie niemand zuvor»

Kai Whittaker

«Wir sind eine Generation, die sich von Zwängen und Verpflichtungen befreit»

Agnès Hubert

«Mir macht jeder Tag Freude und ich sehe die Arbeit nicht als Muss, sondern primär als Freude und Erfüllung.»

Andri Silberschmidt

Kai Whittaker (32)

Von Ihrer Generation heisst es oft, ihr sei die finanzielle Sicherheit wichtiger als politisches Engagement. Lässt sie sich überhaupt mobilisieren?

Diesen Eindruck kann man gelegentlich gewinnen. Aber wir merken doch, dass wir durch verschiedene Ereignisse der letzten Jahre so politisiert sind wie nie. Die Menschen erkennen, dass es sehr wohl auf ihre Meinung, ihr Engagement und ihre Stimme ankommt. Sobald es konkret um die eigene Zukunft geht, sind die Menschen für Politik zu begeistern, auch für Parteien.

Welches sind die drei grössten Probleme für die jüngeren Generationen in Ihrem Land?

Für die junge Generation ist es deutlich schwerer geworden, Vermögen aufzubauen. Des Weiteren macht mir der demografische Wandel Sorge. Wir unterschätzen die finanziellen Belastungen, die auf unserer Generation liegen werden. Und zu guter Letzt tut sich meine Generation etwas schwer, sich selbstständig zu machen und neue Ideen auszuprobieren. Mir ist da zu viel Sicherheitsdenken in den Köpfen.

Kai Whittaker (32) ist einer der jüngsten Bundestagsabgeordneten. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Bristol und London. 2013 wurde er in den Bundestag gewählt, wo er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales ist. Er lebt in Baden-Baden.

Kai Whittaker
Mitglied des deutschen Bundestages (CDU)

Agnès Hubert (39)

Wird Ihre Generation dereinst von der Rente leben können?

Bisher ist es der Enkelgeneration immer besser gegangen als der Grosselterngeneration. Ich sehe nicht, warum das auf einmal gravierend anders sein sollte. Daher: Ja, wir werden von unserer Rente gut leben können. Und wir werden so lange leben wie niemand zuvor, übrigens eben auch länger gesund älter werden. Deshalb ist es auch logisch, dass wir länger arbeiten werden, abhängig davon, wann man in den Beruf eingestiegen ist.

Was glauben Sie: Bis in welches Alter wird Ihre Generation dereinst arbeiten müssen?

Das aktuelle System sieht ein Pensionierungsalter von 67 Jahren vor. Ich glaube, meine Generation wird über dieses Alter hinaus arbeiten müssen und dies für eine tiefe Rente. In Frankreich kennen wir das kapitalfinanzierte Rentensystem noch nicht so gut. Aber es wird uns sicher auferlegt werden.

Agnès Hubert (39) ist seit 2016 Leiterin Spenderbeziehungen und Öffentlichkeitsarbeit beim Institut Curie. Nach zehn Jahren in der Finanzindustrie wechselte sie 2010 erst zur Vereinigung La Manu, einer Vereinigung für die Beziehung zwischen Studenten und Unternehmen, und ein Jahr später zum Institut Curie. Das Institut Curie ist eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen im Kampf gegen den Krebs und verfügt über ein eigenes Spital. Agnès Hubert lebt mit ihrer Familie in Paris.

Agnès Hubert
Leiterin Spenderbeziehungen und
Öffentlichkeitsarbeit
beim Institut Curie in Paris

Andri Silberschmidt (23)

Ihre Generation hat oft den Ruf, unpolitisch und konsumorientiert zu sein. Wie sehen Sie das?

Bereits Sokrates hat sich 400 Jahre v. Chr. über die junge Generation beschwert. Diese Vorurteile sind also nicht neu. Was sich dagegen eindeutig geändert hat, ist die Schnelllebigkeit. Selbst mit meinen 23 Jahren bin ich teils überrascht, was bei den Teenagern gerade «in» ist. Bei Themen, die meiner Generation am Herzen liegen, kann man gut mobilisieren – natürlich online, wobei ohne physische Präsenz der Erfolg meist kleiner ist.

Welches sind die drei grössten Probleme für die jüngeren Generationen?

Für uns sehe ich die grössten Chancen in der globalen Vernetzung, ob wirtschaftlich oder kulturell, in der Digitalisierung sowie in der Bildung. Die globale Vernetzung erlaubt es uns, im Ausland zu studieren oder zu arbeiten. Dank der Digitalisierung ergeben sich neue Arbeitsmodelle, und der erleichterte Zugang zu Bildung erlaubt es uns, weiterhin international spitze zu sein.

Andri Silberschmidt (23) ist seit 2016 Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz. Politisch fokussiert er sich unter anderem auf die Themen Altersvorsorge, Bildungspolitik und den Wirtschaftsstandort Schweiz. Bei der Abstimmungskampagne gegen die AHVplus-Initiative führte er erfolgreich ein nationales und überparteiliches Jugendkomitee an. Beruflich arbeitet er als Portfoliomanager bei einer Bank und studiert nebenberuflich Betriebsökonomie. Zudem betreibt er seit kurzem einen Pop-Store mit Sushi-Burritos. Er lebt in Zürich.

Andri Silberschmidt
Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz